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18. September 2008 Tarifpolitik

Deutsche arbeiten länger als die meisten Europäer

Wöchentlich über drei Stunden mehr als vor fünf Jahren – DGB Chef fordert Trendumkehr

Arbeitszeit im Europäischen- Vergleich
Die EU hat eine Erhebung über das Volumen an Arbeitszeit und Urlaub veröffentlicht.

1. Tatsächliche geleistete Arbeitsstunden im Vergleich

Die Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten inzwischen im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten wieder deutlich länger. Im vergangenen Jahr lag die tatsächliche Wochenarbeitszeit in der deutschen Wirtschaft im Durchschnitt bei 41,1 Stunden. In diese Durchschnittszahl sind die geleisteten Überstunden eingerechnet. Im Jahr 2003 wurde durchschnittlich nur 38 Stunden wöchentlich gearbeitet. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland damit aktuell im Volumen der Arbeitzeit einen Spitzenplatz in Europa. Dies geht aus einer neuen EU- Studie für die 27 Mitgliedsstaaten hervor.

Von allen 27 Mitgliedsländern arbeiten nur die Beschäftigten in Bulgarien und Rumänien (jeweils 41,7 Stunden), Großbritannien (41,4) sowie in Tschechien (41,2) an effektiv erbrachten Arbeitsstunden länger als in Deutschland. Die tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit einschließlich der Überstunden liegt in den EU- Staaten bei 40 Stunden. Am wenigsten arbeiten die Arbeitnehmer in Frankreich (37,7), Italien (38,4) und Dänemark (38,6).

2. Tarifliche wöchentliche Arbeitszeiten im Vergleich

Deutschland liegt laut der Studie der EU bei den tariflich vereinbarten Arbeitszeiten mit 37,6 Stunden im Durchschnitt 1 Stunde unter dem europäischen Durchschnitt. Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten im Jahr 1650 Stunden im Durchschnitt der Tarifvertäge – dies sind fast 100 Stunden weniger als der EU- Durchschnitt (1743). Am meisten arbeiten die Rumänen (1856), am wenigsten die Franzosen (1568).

3. Niedrigere Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst

Trotz deutlicher Arbeitszeitverlängerung in Ländern wie Deutschland, Österreich und Luxemburg arbeiten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst durchschnittlich immer noch weniger als ihre Kollegen in Industrie und Handel. Die EU-weite Arbeitszeit im öffentlichen Dienst liegt bei durchschnittlich 38,3 Wochenstunden.

4. Position des DGB und der Arbeitgeber

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert die Entwicklung der Erhöhung der Arbeitszeit; Der Trend zu immer längeren Arbeitszeiten müsse umgekehrt werden. Er behindere denn Beschäftigungsaufbau, sei familienfeindlich und gesundheitsschädlich.

Der DGB sieht die zunehmende Erosion der tariflichen Arbeitszeiten mit Sorge. Nicht umsonst hätten Gewerkschaften in den vergangenen Jahrzehnten um verkürzte tarifliche Arbeitszeiten gerungen und in ihren Tarifverträgen 35 bis 38,5 Wochenarbeitsstunden vereinbart. Dass demgegenüber viele tarifungebundene Betriebe ihren Beschäftigten höhere Arbeitszeiten aufbrummen, sei kurzsichtig. Wer langfristig motivierte Mitarbeiter wolle, müsse ihnen Luft lassen für Regeneration. Er müsse flexible Arbeitszeitmodelle anbieten. Zudem hätten mehr Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz, wenn die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt wird.

Aus der Sicht der Arbeitgeber sollte sich der DGB keine Sorgen über eine Erosion der erkämpften Arbeitszeit machen, sondern die effektive Verlängerung der Arbeitszeiten als volkswirtschaftlich vernünftig und arbeitsplatzssichernd begrüßen. Die Arbeitszeitverlängerung ist schlicht notwendig. Der Druck im globalen Wettbewerb auf längere Arbeitszeiten ist deutlich gestiegen. Auch durch den Beitritt der zwölf mittel- und osteuropäischen Staaten mit deren längeren Arbeitszeiten hat in der EU der Druck auf die Verlängerung der Arbeitszeiten in den „alten" EU-Ländern zugenommen.

Die 42 Stunden- Woche als Dauerzustand steht vor der Tür. Längere Arbeitszeiten erhöhen bei konstanten Lohnkosten die Arbeitsproduktivität – und dies ist in Deutschland dringend notwendig, wenn der Lebensstandart die soziale Sicherung und die Löhne im internationalen Vergleich hoch bleiben sollen. In den vergangenen Jahren hat sich das Produktivitätswachstum mit durchschnittlich 1,4 % deutlich abgeschwächt. Dieses Wachstum ist im Vergleich zu den USA, Großbritannien, Japan und den Skandinavischen Staaten - China wegen der Besonderheiten außen vor gelassen. Deutschland muss die fehlende Produktivität zumindest teilweise durch längere Arbeitszeiten ausgleichen.

Wichtig ist aus der Sicht der Arbeitgeber, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch ältere Mitarbeiter mit Wissen und Erfahrungen nicht zu früh in den Vorruhestand geschickt werden und auch ältere Mitarbeiter in der Lage sind, längere Arbeitszeiten und sogar zunehmende Arbeitsverdichtung durchzuhalten. Hierfür gibt es arbeitsrechtliche Instrumente.

5. Urlaub im Vergleich

Die durchschnittliche Urlaubszeit liegt in den 27 EU- Ländern bei 25,2 Tagen im Jahr. Die Spanne der tariflich vereinbarten Urlaubszeiten bewegt sich in der EU zwischen 33 (Schweden) und 20 Tagen (Estland, Zypern).

Deutschland befindet sich mit 30 bezahlten Urlaubstagen in der Spitzengruppe. Die Arbeitnehmer in Frankreich und Österreich haben dagegen nur 25 Urlaubstage, in Großbritannien sind 24,6 Urlaubstage vereinbart worden.


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