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Ingenieurmangel? Fachkräftemangel? - Nein, Selbsthilfe der Unternehmen ist das Gebot
Gegen generell und undifferenziert erhobene Aussagen haben sich vorausschauende Unternehmer gewappnet.Sie setzen geeignete Instrumente zur Überwindung ein. Dies beginnt bei der Ausbildung und setzt sich bei der Weiterbildung fort.
Der oft zitierte Ingenieurmangel ist schlicht ein Märchen -so Professor Kriegesmann, Institut für Innovationsforschung, Bochum (vgl Kriegesmann „Zukunft der Arbeit: Kompetenz, Handlungsfähigkeit und Handlungsbereitschaft“ in Lehmann(Hrg) „Der Arbeitnehmer im 21.Jahrhundert,Verlag Recht und Wirtschaft,Frankfurt)
Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen, so der Zentralverband des Deutschen Handwerks.
Das Handwerk habe schon seit längerem immense Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. Allein im Jahr 2009 seien etwa zehntausend Stellen unbesetzt geblieben. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks gibt die Prognose, dass die Unternehmen in Zukunft verstärkt auch Auszubildende aus dem Ausland anwerben werden.
Dies sind derzeit unbestritten die Fakten.
Sicherlich: wir haben viele Einflussfaktoren. Sie bewegen die Kurve zwischen Mangel an Angebot und Überangebot in einem Auf und Ab .
Derzeit haben wir einen gewaltigen wirtschaftlichen Strukturwandel der sich ständig beschleunigt.
Parallel dazu verlangen die Rahmenbedingungen für die Dienstleistungen einen hohen Anstieg des Qualifikationsniveaus durch den Übergang in eine stärker denn je dasWissen abfordernde Dienstleistungsgesellschaft.
Zusätzlich setzt die wachsende Dienstleistungsorientierung verstärkt die Dienstleistungseinstellung und eine Leistungsorientierung voraus.Sie ist dem Begriff der Dienstleistung ohnehin schon im Wortlaut immanent.
Es wechseln auch die Wertvorstellungen in den Generationen. Wertevielfalt und daraus entstehende Konflikte stellen an das Bildungssystem zusätzliche Anforderungen an das Verhalten und die Korridore der Toleranz und Nicht - mehr-Tolerierbarkeit.
Wir verzeichnen die Globalität mit zunehmender internationalen Konkurrenz,
die von den Arbeitskräften eine dauerhafte Fort-und Weiterbildung verlangt, damit sie mit den Arbeitnehmern anderer Länder in gleicher Augenhöhe blieben.
Das Wissen, insbesondere Fachwissen, ist in wenigen Jahren überholt und hat allenfalls nur noch eine „Halbwertzeit.“ Gefordert ist die Eigeninitiative des Arbeitnehmers und lebenslange Lernfähigkeit.
Es wird jedoch eine Gegenbewegung geben. Neue Techniken und Technologien sowie der demografische Wandel in Verbindung mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit führen demgegenüber zu einem Anstieg der Erwerbsbeteiligung. Die Folge wird wieder sein, dass nicht jede Fachkraft „wohl oder übel vom Unternehmen eingestellt wird, sondern die Auswahl nach greift.
Eigeninteresse der Unternehmen zur Selbstorganisation
Liegt es nicht im Eigeninteresse der Unternehmen, selbst für Ausbildung und Bildung zu sorgen ,für Abhilfe des Fachkräftemangels durch Selbstorganisation zu sorgen? Sind denn der Arbeitsmarkt und andere Einflussfaktoren wie Wirtschaftslage, Tarifparteien, Familien, allgemeinbildende Schulen, Berufsschulen , Staat, Gesellschaft, u.s.w. Zu – als stets andere -verantwortlich??
Sehen wir zunächst auf die Risikogruppen und dann auf einige positive Beispiele von Initiativen zur Abhilfe.
Risikogruppen bei den Berufsanwärtern
Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) hat mehr als 15 000 Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit Auszubildenden befragt. NUR 9% der Befragten sehen keine Mängel in der Ausbildungsreife. Jedoch kritisieren fast 50 % der Unternehmen eine zu geringe Leistungsbereitschaft.
Bildungsforscher bezeichnen etwa 20 % der bis zu 15-jährigen als Risikogruppe. Sie bringen schlechte Voraussetzungen für den Einstieg und Erfolg im Berufsleben mit. Zur Risikogruppe werden auch Schüler gezählt, die bei mit den Pisa-Studien vergleichbaren Tests bereits an einfachen Mathematik-und Leseaufgaben scheitern und kaum über das Niveau der Bildung an der Grundschule hinauskommen.Bei vielen Jugendlichen komme dann zu den fachlichen Defiziten noch ein Mangel im sozialen Verhalten hinzu.
Alle Beteiligten müssen ohne Schuldzuweisung h a n d e l n.
Beispiele für Handeln
1. Selbstorganisation der Unternehmen zur Hilfe und Nachhilfe
Mittlerweile organisieren zunehmend Unternehmen eine Art Nachhilfe für Ihre Auszubildenden.Die Unternehmen werden immer mehr zu Reparaturbetrieben, sagte der Hauptgeschäftsführer des DIHK (Süddeutsche Zeitung v.18.Juni 2010 S.19)
Sie nutzen dabei unter anderem die ausbildungsbegleitenden HILFEN der ARBEITSAGENTUREN.
Einige Unternehmen nehmen auch die Hilfe ehrenamtlicher Paten an, die die Jugendlichen beim Übergang von der Schule in das Berufsleben begleiten.
2. Neues Programm der Bundesregierung „Berufslotsen“
Die Bundesregierung hat im Mai 2010 ein bundesweites Programm für mehr als 1000 ehren-oder hauptamtliche „Berufslotsen“ ins Leben gerufen. Schon ab der siebten Klasse der Jugendlichen sollen sie damit beginnen ,den Jugendlichen eine Orientierung zu geben und zu helfen,die Schwächen der späteren Bewerber für den Beruf zu kompensieren.Bis zu 60 000 Hauptschüler sollen mit dem Programm in den kommenden Jahren erreicht werden.
3. Institut für berufliche Bildung in angewandter Qualitätssicherung IQP
„Innovationen für die Zukunft heißt für vorausschauende Unternehmen, nicht lediglich auf dem Arbeitsmarkt nach fähigen Mitarbeitern “ zu suchen, sondern sich frühzeitig noch in den Lernphasen der Schüler von Berufsschulen um entwicklungsfähige, später starke Mitarbeiter mit tiefgreifenden Kenntnissen in Theorie und Praxis zu kümmern. Leider fehlt es bei den Anwärtern für den Beruf oft an Grundkenntnissen in Theorie und Praxis. Selbst dann, wenn die Theorie in Berufsschulen erlernt ist, fehlt es den Berufsschülern oft an der Fähigkeit, die Theorie in die praktische Wirklichkeit vor Ort in einem Unternehmen umzusetzen.
Die von einem Berufsschullehrer geleitete Firma IQP, Lank (info(at)iqp-gmbh(dot)de) hat es sich zu einer -bisher sehr erfolgreichen -Aufgabe gemacht, in Absprache mit einzelnen Unternehmen des Mittelstandes und der Großindustrie Teile des theoretischen Lernens in die Unternehmen zu verlagern und dort in den Unternehmen den Schülern in einzelnen Lernschritten zunächst zur Theorie und unmittelbar im Anschluss an diesen Lernschritt die Umsetzung der Theorie anhand von Maschinen, Computern und dergleichen das unmittelbare Umsetzen der vor Ort von Mitarbeitern der IQP oder Berufsschullehrern gehörten Theorie in die Praxis zu zeigen und die Schüler es selbst ausprobieren zu lassen .
Diese Lerninseln im Unternehmen interessieren die Schüler in hohem Maße.Für die Unternehmen bedeutet dies, dass der Wissenszuwachs der im Unternehmen in den Lerninseln tätigen Berufsschüler den Blick auf fähige Mitarbeiter lenkt . Ein rechtzeitiges Zusammenwirken in der Vorzeit des Berufes kann für das Unternehmen eine Rendite für die Zukunft werden.
Übrigens: IQP beginnt schon in Kindergärten und Grundschulen damit, in Abstimmung mit zuständigen Ministerien,Behörden und Leitern in den jungen heranwachsenden Menschen das Interesse für die Technik und Naturwissenschaften zu wecken.Mütter und Väter, die das Interesse den Kindern noch nicht vermitteln konnten, machen begeistert mit.
4.Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Universitäten, Fachhochschulen,
Volkshochschulen und andere Institutionen in Privatinitiative
Pessimismus ist nicht angezeigt. Dankenswerter Weise bringen in Deutschland zahlreiche Institutionen mit unterschiedlichen Modellen die Aus- und Weiterbildung voran. Manche bauen zusätzlich Brücken zwischen Studium und Praxis.
Jedoch muss die Privatinitiative im allgemein bildenden Bereich noch weiter verstärkt werden
Im berufsbildenden Bereich ist dringend zu empfehlen, die Verantwortung der Wirtschaft für die Qualität der Berufsausbildung zu stärken.
Privatinitiativen sollten mit öffentlichen Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten. Aber nicht staatliche Verantwortung, sondern die Selbstverantwortung der deutschen Wirtschaft steht im Vordergrund .Hierzu gehört die Technische Überwachung (TÜV) als eine von der Wirtschaft gegründete Selbstverantwortungsorganisation. Im Bildungsbereich können neben den schon bestehenden Initiativen auch die regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften eine Selbstverantwortungsorganisation sein.
Krefeld und Schliersee im Juli 2010
Dr. F.-W. Lehmann
Rechtsanwalt im Arbeits- und Wirtschaftsrecht
bundesweit tätig
Aktuelle Informationen für Unternehmen:
www.arbeitsrecht.com
E Mail : dr.lehmann(at)arbeitsrecht(dot)com
Krefeld und Schliersee 7. Juli 2010
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